Handelsverkauf (Vertrags- und freie Händler, u.a. auch Makler) Im Handelsverkauf wechselt die Leistung nach der Herstellung in der Regel mehrere Male den Besitzer entlang der so genannten Handelskette. Demgegenüber steht der Direktverkauf, bei dem die Leistung auf dem Vertriebsweg zwischen Hersteller oder Importeur nur einmal den Besitzer wechselt. Vor allem im B-to-C Bereich mit der ihm innewohnenden Notwendigkeit einer flächendeckenden Verteilung großer Mengen (Logistik) und im internationalen Handel werden auf diese Weise das Vertriebsrisiko sowie die Kosten, aber auch der Gesamtgewinn und die Servicebereitschaft unterschiedlich entlang der Kette von Vertragshändlern gegenüber dem Endverbraucher aufgeteilt. Beispiele hierfür sind die bekannten Handelsketten des Metro-Konzerns oder der Rewe Group, der Textilhandel oder einige PKW-Hersteller.
Im Finanzdienstleistungssektor unterscheidet man hier zwischen dem Handelsvertreter nach § 84 HGB und dem Finanzmakler.
Innerhalb der EU gibt es dabei regionale Unterschiede, ab wann auch hier ggf. eine Scheinselbstständigkeit vorliegt.
Vertrieb über Sammelbesteller
Hinlänglich bekannt ist der Vertrieb von Produkten großer
Versandhäuser über Sammelbesteller.
Der Kunde kauft zum Katalogpreis Waren beim Sammelbesteller, dieser
erhält eine Aufwandsentschädigung / Sammelbestellerrabatt von ca. 10 %.
Vorteil für den Hersteller / Versandhaus:
- Regionale Warenauslieferung durch Sammelbesteller
- günstige Sammel-Transporte zum Endverbraucher
- relative Bindung des Sammelbestellers an das Unternehmen
- relative Bindung des Kunden an den Sammelbesteller
- dezentrale Kundenbetreuung / Schadenabwicklung
- günstige Information des Endverbrauchers
Vorteil für den Kunden:
- "Vor-Ort-Service" und Beratung durch den Sammelbesteller
Vorteil für den Sammelbesteller:
- geringer Verdienst
- Stammkundschaft vor Ort
Multi-Level-Marketing
Dieses System ist auch bekannt unter den Begriffen: MLM, Downlinemarketing, Strukturvertrieb oder "Schneeballsystem".
Das System ist denkbar einfach aufgebaut: Ein Hersteller wirbt einen oder mehrere Vertriebspartner, diese werben weitere Vertriebspartner, welche ihrerseits wieder Vertriebspartner werben, usw, usw, usw..... Das MLM ist dem Vertriebssystem der Sammelbesteller ähnlich, hat aber den entscheidenden Unterschied, daß der jeweilige Vertriebspartner die Option zum Aufbau einer Vertriebsstruktur hat, er kann somit ein multinationales Vertriebssystem aufbauen. Ein weiter Unterschied ist der fehlende Gebietsschutz - jeder VP kann unbegrenzt aquirieren und aggieren - je fleißiger - je mehr Umsatz.
MLM wird seit Jahren erfolgreich von Versicherungen oder Firmen wie z.B.: "AVON®", "Tupper®" oder "Amway®" praktiziert. (Markenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Markeninhaber)
Ohne viel Werbeaufwand entwickeln diese Vertriebssysteme schon nach kurzer Zeit eine nahezu unkontrollierbare Eigendynamik, sofern das angebotene Produkt gut zu verkaufen ist; bestens eignen sich Produkte des täglichen Bedarfs oder Computerhard- und Software.
Vorteile für den Hersteller:
- Höherer Verkaufsgewinn im Vergleich zum Verkauf an Zwischenhändler.
- Keine Info-Mailings an Zwischenhändler
- Keine Kosten zur Kundeninformation
- Werbeaufwand zur Kundenaquise "nahe Null"
- selbst relativ unbekannte Firmen erreichen in kurzer Zeit "Bekanntheit"
- relative Bindung des Kunden (Vertriebspartner /VP) an den Hersteller
Vorteile für den Kunden / VP:
- Günstige Preise
- direkter Service vom Hersteller
- persönlicher Ansprechpartner (Upline)
- Verdienstmöglichkeit (Downline)
- Kunde fühlt sich als "Teil des Unternehmens", ist hoch motiviert
- Kunde (VP) gibt Weiterempfehlungen
- VP wirbt selbständig Neukunden an
Nachteile für den Hersteller:
- MLM-System verursacht Aufwand und geringe Kosten
- oft schlecht ausgebildete „Berater“ (besonders im Finanzsektor)
- die Folge: schlechter Ruf (z.B. „Drückerkolonnen“)
Nachteile für den Kunden / VP:
- Weisungsgebunden, kein freies Unternehmertum
- Meist nur EIN Produktgeber/-system
- Gefahr der Scheinselbstständigkeit